Hallo, ich bin Kathlin - und in 60er-Jahren geboren. In einer Zeit, in der viele Familien nach außen stark wirkten, aber innerlich zerbrochen waren. Auch meine.
Der Fokus wurde auf das Anschaffen neuen Wohlstands und guten Ansehens gerichtet. Äußerlich war alles da: eine warme Wohnung, saubere Kleidung, niemand musste hungern, und die Umgangsformen von Kindern und Erwachsenen waren „korrekt“.
Meine frühe Herkunfts-„Bilderbuchfamilie“ war in Wahrheit geprägt von unterdrücktem Schmerz, emotionaler Instabilität, seelischer Überforderung und später als Patchworkfamilie von starker Alkoholabhängigkeit eines neuen Familienmitglieds. Meine Mutter hatte als Kind selbst Abwertung, Strafen, Schuldumkehr und vor allem schlimmste Überlebensangt erlebt. Darum konnte sie mir nicht das geben, was ich als hochempathisches Kind dringend gebraucht hätte: emotionale Stabilität und ein kritikfreies Gesehenwerden. Sie hat es selbst nie kennengelernt, genauso wenig wie ihre Mutter, ihre Tanten und ihre Großmutter.
Krieg, Heimatverlust, Flucht und ungelöste Traumata wirkten in den Generationen meiner Familie weiter – wie bei so vielen Frauen im DACH-Raum. Für Gefühle gab es weder Raum noch Verständnis. Schwäche war unerwünscht und in der Tat lebensgefährlich.
Und so lernte ich früh: Mich anzupassen. Zu funktionieren. Und meine Gefühle zu unterdrücken – so wie es mir vorgelebt wurde.
Als hochempathische Tochter einer emotional überforderten Mutter wurde ich zu früh zur „Scannerin“: Ich spürte alles. Jede Spannung. Jede unausgesprochene Erwartung.
Teilweise übernahm ich früh und unpassende Verantwortung:
- Wollte ich etwas, wurde ich zwischen den Elternteilen hin- und hergeschickt – als Vermittlerin.
- Wenn die Luft nicht rein war, ging ich lieber in Deckung und schwieg. So regulierte ich unbewusst die Stimmung.
Doch mein Inneres konnte niemand sehen: Meine Gefühle waren zu intensiv und oft zu viel für mein Umfeld. Ich musste lernen, Wut, Traurigkeit und Überforderung zu unterdrücken.
Sätze meiner Mutter wie:
„Wein doch nicht!“, wenn ich traurig war oder
„Beiss die Zähne zusammen.“, wenn ich an meine Grenzen kam, haben sich tief in mein System verankert. Also hielt ich oft alles zurück und machte es weitestgehend allen recht. Das gelang mir nicht immer – dann wurde ich unsagbar wütend. Und mein Körper begann zu sprechen – in sogenannten psychosomatischen Beschwerden:
Mit einem Reizdarm und einer überreizten Blase. Mit Bauchschmerzen. Mit vegetativer Dystonie.
Jedoch: die Energie der Emotionen muss sich ihr Ventil suchen. Energie verschwindet nicht einfach so.
Heute lebe ich meine Sensibilität mit Achtsamkeit. Seit vielen Jahren begleite ich hochempathische Frauen in ihr ganzheitliches Wohlbefinden: sich aus alten Verstrickungen und schmerzhaften Loyalitäten zu lösen – vor allem in der Beziehung zu Müttern mit narzisstischen Mustern.
In meiner Arbeit geht es nicht um Schuldzuweisung, Verurteilung oder Victimhood. Sondern:
- Raus aus dem People Pleasing.
- Raus aus der ständigen Selbstanpassung.
- Hin zu echter Selbstverbindung, innerer Stabilität und gesunden Beziehungen auf Augenhöhe.

